Gemeindebrief von 1970

An alle Einwohner von Habighorst!

Am kommenden Sonnabend feiert die Freiwillige Feuerwehr Habighorst ihr 60-jähriges Bestehen. Möge sich der geneigte Lesern 60 Jahre zurückversetzen. In der Zeit vor den ersten Weltkrieg; in das Jahr 1910. In diesem Jahr wurde in Habighorst die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Schon im Jahr 1907 musste auf Drängen der Behörde eine Pflichtfeuerwehr aufgestellt werden, da sich das System des Feuerlöschens mit Feuereimer, Feuerleiter und Einreißhaken nicht mehr aufrecht erhalten ließ. Bald aber entstanden Unzulänglichkeiten und Reibereien, die dann schließlich zum Vorschlag der Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr führten. Auf einer gut besuchten Bürgerversammlung im März 1910 war auch der alte Kreisfeuerwehrführer Müller; Celle, zugegen. Er erklärte, dass der Landrat von Harlem seine Genehmigung nur erteilte, wenn sich mindestens 30 Mitglieder zum Eintritt in die Wehr bereit erklärten. Da sich nun leider nicht so viele als aktive Mitglieder eintragen ließen, wurde unter den Alten und Jugendlichen Umschau gehalten, die dann als Ehrenmitglied bzw. Anwärter der Wehr beitraten. Am 20. März 1910 konnte nunmehr die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Habighorst in der Lutterloh'schen Gastwirtschaft (Dorfkrug) vorgenommen werden. Als Hauptmann wurde Heinrich Knoop, als Spritzenmeister Hermann Wasmus und als Rohrführer W. Müller jun. Gewählt. Soweit die Chronik über die Gründung der Wehr.

Der erste Einsatz der jungen Feuerwehr ist wie folgt protokolliert: Am 23. Febr. 1911 wurde unsere Wehr abends infolge falsche Meldung alarmiert und rückte mit der Spritze und einem Mannschaftswagen aus nach Scharnhorst und kehrte gegen 11 Uhr nach Habighorst zurück. Es handelte sich um manöverirende Kavallerie mit Scheinwerfern.

Im Jahr 1913, am 30. April, brach in der Gemeinde Höfer ein Waldbrand aus, der sich über das jetzige Burghorn am Fuchsberg vorbei über die Bundesbahnstrecke Celle-Uelzen bis an die Mieler Staatsforst entwickelt hatte. Hier musste die Wehr zeigen, was sie konnte, denn das Haus am Fuchsberg wurde unmittelbar durch das Feuer bedroht. Die Einwohner mussten evakuiert werden. Es gelang aber den Männern der Wehr, das Haus zu retten.

Im ersten Weltkrieg musste auch die Freiwillige Feuerwehr Habighorst ihren Tribut zahlen. In der 10. Generalversammlung am 18. Febr. 1920 wird der Bau eines würdigen Denkmals für die Gefallenen beschlossen. 2 Jahre später konnte das Ehrenmal eingeweiht werden. Noch heute hat es seinen Platz inmitten des Dorfes.

Der erste Gebäudebrand musste am 7. Mai 1928 bekämpft werden. Gegen 21 Uhr war das Wohnhaus des Abbauers und Schlachters Karl Knoop in Brand geraten. Aus dem Protokoll: Die Wehr musste sich darauf beschränken, nur die anliegenden Gebäude zu schützen. Das Wohnhaus brannte vollständig nieder, während der Stall erhalten blieb. Der erst im vorigen Jahre neu erbohrte und aufgestellte Hydrant hat sich gut bewährt und gab schnell und reichlich Wasser. Weitere Gebäudebrände waren zu bekämpfen: 1935 brannten Scheune und Stallgebäude des Bauern Wasmus, 1949 ein Stallgebäude mit 150 Schafen auf dem Gut. 1956 ein Geräteschuppen des Lohnunternehmers Willi Pfeiffer. Das bisher Letzte Feuer im Jahre 1967 äscherte eine Scheune des Landwirtes Wagner ein.

Aber nicht nur dem Feuer sagte die Feuerwehr den Kampf an (es wurden bis heute fast 250 Brände bekämpft). Hilfeleistungen aller Art waren zu tätigen; so bei Hochwasser, Sturmschäden und anderer Notständen.

Am 3. Dez. 1922 wurde eine Musikkapelle gegründet. Dem Musikmeister Flohr gewährte man in der Versammlung vom 10. März 1923 Beitragsfreiheit. Wenn man bedenkt, dass das Eintrittsgeld s. Zt. 6000,-- Mark und der monatliche Beitrag 1000,-- Mark betrugen, eine anzuerkennende Sonderzuwendung, wenn nicht gerade Inflation gewesen wäre. Die Musikkapelle hat viele Jahre zur Unterhaltung innerhalb der Wehr wie auch bei anderen Veranstaltungen beigetragen. Erinnert sei an die Fahrt nach Wustrow zu den Bezirkswettkämpfen und an die Tagesfahrt zum Niederwalddenkmal (Weserbergland), wa die Kapelle aufspielte und kräftig das Tanzbein geschwungen wurde.

Nach dem zweiten Weltkrieg begann die Motorisierung der Feuerwehr Habighorst. Aus den Trümmern des Munageländes wurde eine Motorpumpe geborgen. Was an Teilen fehlte, musste kompensiert werden; Wurstkonserven und Eier waren gute Tauschobjekte. Max Dornbusch war der Initiator. Wie groß war die Freude, als die TS (Tragkraftspritze) den ersten Probelauf gut absolviert hatte. Einen Transportwagen für die TS baute man in Eigenleistung.

Schon 1947, also noch vor der Währungsreform, wird der Bau eines größeren Gerätehauses in Angriff genommen. Das alte Spritzenhaus unmittelbar an der Mühle war zu klein geworden, denn es hatte nur Platz für die Handdruckspritze und einen Raum für Obdachlose (Tippelbrüder). Fast 40 Jahre hatte es den Ansprüchen des Feuerlöschwesens in Habighorst recht und schlecht gedient. Nach nur 20 Jahren ist das jetzige bedeutend größere Gerätehaus schon nicht mehr ausreichend.

Im Jahr 1950 geht es mit der Motorisierung weiter; ein Pkw Fabrikat Opel wird vom damaligen Gemeindebrandmeister Möbes gekauft und durch Spenden der Habighorster Bürger finanziert. DM 380,-- kostet das Vorkriegsmodell. Es hat Wehr manch guten Dienst geleistet, musste dann aber 1956 wegen Altersschwäche außer Dienst gestellt werden.

Der VW-Bus trat an seine Stelle; für die damalige Zeit ein großes Ereignis. Bis vor kurzem war er einsatzbereit.

Vom Jahre 1951 an beteiligte sich unsere Wehr an den Feuerwehrwettkämpfen auf Kreis- und Bezirksebene und belegte bis 1956 den 1. Platz im Kreis in der Gruppe TS8 (Tragkraftspritze mit 800l Wasserförderung in der Minute). Auch im letzten Jahr nahm wieder eine Gruppe an den Wettkämpfen teil.

Um die Jugend unserer Gemeinde so früh als möglich an die Feuerwehr heranzubringen, wird im Jahr 1965 eine Jugendwehr gegründet. Aus ihren Reihen entwickelte sich sehr bald ein Spielmannszug, der sein Könne schon des Öfteren unter Beweis gestellt hat.

Wie sieht nun die Freiwillige Feuerwehr Habighorst nach 60 Jahren aus?

Der alte Geist ist geblieben. Der Feuerwehrmann setzt sich noch genau so selbstlos und pflichtbewusst ein, wie es alle Zeit gewesen ist. Allerdings ist der Aufgabenkreis und damit die Verantwortung jedes einzelnen Feuerwehrmannes größer geworden. Motorisierung und Technisierung sind gut und zweckmäßig, fordern aber auch ein großes Können und Wissen, denn was nützt das beste Gerät, wenn nicht der Mann vorhanden ist, der es fachgerecht bedient.

Anlässlich der Feier zum 60-jährigen Bestehen wird der Wehr von der Gemeinde ein neues Löschgruppenfahrzeug übergeben. Damit ist ein Bestand an Einsatzfahrzeugen geschaffen, wie er heute für eine Gemeinde mit 1000 Einwohnern erforderlich ist.

An diesem Tage sollen aber auch Mitglieder der Wehr geehrt werden, die 60, 50, und 25 Jahre treu und aktiv dem Feuerlöschwesen gedient haben. Feuerwehrmann sein ist eine Sache, die von starkem Idealismus getragen wird. Jeden Augenblick, bei Tage und zur Nachtzeit, bereit sein, unter Einsatz des Lebens des Nächten Hab und Gut zu schirmen und zu schützen, verdient höchste Wertschätzung und Anerkennung.

Hut ab vor jedem Feuerwehrmann!

Der Bürgermeister

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